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Temporäre Mehrwertsteuersenkungen können den privaten Konsum durch vorgezogene Anschaffungen spürbar ankurbeln. Olga Goldfayn-Frank und Georgi Kocharkov untersuchen mit weiteren Koautoren in einem Beitrag im Review of Economic Studies die Auswirkung der befristeten Mehrwertsteuersenkung in Deutschland im zweiten Halbjahr 2020. Mithilfe von Umfrage- und Scannerdaten zeigen sie, dass Haushalte den Kauf langlebiger Konsumgüter zeitlich vorzogen – aber nur, sofern sie eine Weitergabe der Steuersenkung an die Verbraucherpreise erwarteten. Im Rahmen eines makroökonomischen Modells mit heterogenen Haushalten zeigen sie weiter, dass diese Effekte im Aggregat zu einer kurzfristigen Erhöhung des privaten Konsums um rund 4,4 % führen. Die Ergebnisse unterstreichen das Potenzial temporärer Verbrauchsteuersenkungen als unkonventionelles fiskalpolitisches Stabilisierungsinstrument.
Das Klimaengagement der EZB stärkt das Vertrauen in sie bei der Mehrheit der befragten Personen in Deutschland. Die Inflationserwartungen bleiben dabei stabil. Dies zeigen Sandra Eickmeier und Luba Petersen in ihrem Artikel in der European Economic Review anhand einer Befragung im Bundesbank-Online-Panel Haushalte. Über zwei Drittel berichten von gestiegenem Vertrauen, besonders Frauen sowie Personen mit optimistischem Wirtschaftsausblick, höherem Vertrauen in die EZB und größerer Klimasorge. Nur 17 % bzw. 20 % befürchten Nachteile für Preisstabilität oder Unabhängigkeit der EZB, während 23 % positive Effekte auf die Zielerreichung sehen. Wie eine Befragung unter Bundesbankbeschäftigten zeigte, überschätzen diese die Auswirkungen klimabezogener Aktivitäten der EZB auf die Inflationserwartungen der Befragten.
Verschiedene Anlegergruppen reagieren sehr unterschiedlich auf Fondsperformance. Wie Daniel Fricke, Stephan Jank und Hannes Wilke in einem kürzlich im Review of Financial Studies erschienenen Artikel zeigen, reagieren Haushalte und Versicherer eher schwach: Bei Gewinnen erhöhen sie ihre Zuflüsse, bei Verlusten ziehen sie Mittel nur moderat ab. Wesentlich stärker reagieren Investmentfonds, die selbst in Fonds investieren; besonders bei Verlusten kommt es hier zu deutlichen Abzügen. Sind performance-sensitive Investoren präsent, reagieren auch die Haushalte stärker. Für die Finanzstabilität ist daher mitentscheidend, wer in einem Fonds investiert ist.
Grafik des Monats
Die Grafik vergleicht die Entwicklung der Inflationserwartungen deutscher Privatpersonen nach Kriegsbeginn in der Ukraine (Feb. 2022) sowie im Nahen Osten (Feb. 2026). In beiden Fällen stiegen die Erwartungen im März deutlich an: 2022 um 1,1 Prozentpunkte, 2026 um 0,8. Anschließend verlief die Entwicklung aber unterschiedlich: 2022 erhöhten sie sich bis Juni auf 7,5 %, während sie 2026 nahezu stagnierten und bis Juni leicht auf 3,2 % zurückgingen. Event des Monats: In-House Research Workshop on Monetary and Fiscal Policies as well as on Macro- and Microeconomic HeterogeneityAuch in diesem Jahr organisiert das Forschungszentrum wieder eine Reihe von In-House-Workshops, die Forschende aus der gesamten Bundesbank zusammenbringen. Beim letzten Workshop im Juni standen Vorträge zur Bedeutung der Inflations- und Fiskalerwartungen sowie zur Rolle der finanzmarktbasierten Unsicherheit für die Geldpolitik im Mittelpunkt. Des Weiteren wurden die Konsequenzen zunehmender Stablecoin-Nutzung für die Finanzstabilität und die makroökonomischen Auswirkungen auf Inflation und Wachstum diskutiert. Auch die Beziehung von Stellenbesetzungen und Lohnentwicklungen in Zeiten angespannter Arbeitsmarktsituationen wurde während des Workshops thematisiert. Einmal mehr zeigte sich: Die interne Forschung schafft eine direkte Brücke zu den für die Bundesbank zentralen Politikfeldern und leistet einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftspolitischen Diskurs.
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