Research Matters 02/2026 Forschungszentrum
Sehr geehrte Abonnentin, sehr geehrter Abonnent,
Liebe Kollegin, lieber Kollege,
ich freue mich sehr, Ihnen bzw. Dir die zweite Ausgabe des Newsletters „Research Matters“ des Forschungszentrums zuzusenden. Wir wünschen eine spannende Lektüre!
Herzliche Grüße
Falko Fecht
Unerwartete geldpolitische Straffungen können erhebliche Mittelabflüsse aus offenen Investmentfonds auslösen – besonders bei „fragilen“ Fonds. Offene Fonds, also die meisten aktiv gemanagten Publikumsfonds, versprechen die jederzeitige Rücknahme von Anteilen zum aktuellen Marktwert. Dies macht sie verwundbar: Sind sie stark in schwer veräußerliche Vermögenswerte investiert, können größere Rückgabewünsche zu Liquiditätsengpässen führen – solche Fonds gelten als fragil. In einem neuen Diskussionspapier zeigen Falko Fecht und Moritz Kellers, dass fragile Fonds bei unerwarteten Zinserhöhungen rund dreimal so hohe Mittelabflüsse verzeichnen wie resiliente Fonds. Offene Fonds und ihre Fragilität erweisen sich damit als wichtiger Faktor der geldpolitischen Transmission.
Klimabezogene Bankenregulierung ist deutlich weniger wirksam als CO₂-Steuern zur Emissionsreduktion. In einem gerade erschienenen Beitrag im Journal of Monetary Economics zeigen Francesco Giovanardi und Matthias Kaldorf im Rahmen eines makrofinanziellen DSGE-Modells, dass höhere Eigenkapitalanforderungen zwar eine Umlenkung von Krediten weg vom fossilen Sektor bewirken, der Effekt auf Emissionen jedoch begrenzt bleibt. Gleichzeitig entstehen negative Nebenwirkungen durch geringere Liquiditätsbereitstellung, was die Wohlfahrtsgewinne schmälert oder sogar ins Negative kehren kann. Wie der Forschungsbeitrag zeigt, reagieren optimale Kapitalanforderungen zudem sensibel auf Klimapolitik und Unsicherheit. Insgesamt bleibt die Eigenkapitalregulierung von Banken ein unterlegenes Instrument im Vergleich zu CO₂-Steuern.
2026 | Journal of Monetary Economics
Der gesetzliche Anspruch auf Teilzeitarbeit wirkt als Brücke im Erwerbsverlauf von Müttern und erhöht langfristig Beschäftigung und Einkommen. Wie Hannah Paule-Paludkiewicz in ihrem Diskussionspapier zeigt, kehren Mütter dank des Anspruchs seltener über Arbeitgeberwechsel oder geringer qualifizierte Stellen in den Beruf zurück. Stattdessen wird Teilzeit als Rückkehroption im bestehenden Job nutzbar, Erwerbsverläufe werden stabiler und es bleiben Fachkenntnisse erhalten. Dies kann dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Eine ausführliche Zusammenfassung findet sich im entsprechenden Research Brief der Bundesbank.
Grafik des Monats

Die durchschnittlichen Inflationserwartungen der Privatpersonen und Unternehmen für die kommenden 12 Monate stiegen im März im Vergleich zum Vormonat deutlich an. Mit 3,5 % bei den Privathaushalten und 3,2 % bei den Unternehmen lagen sie so hoch wie lange nicht mehr.
Event Highlight: 4th Workshop on Markets and Intermediaries
Der „4th Workshop on Markets and Intermediaries", eine gemeinsame Veranstaltung des Forschungszentrums und der Humboldt Universität Berlin, fand am 25./26. März 2026 im neu eröffneten Seminarzentrum der Bundesbank in Berlin/Sandwerder statt. In acht Fachvorträgen diskutierten die Teilnehmenden neue empirische und theoretische Forschungsergebnisse zu Bankregulierung, Zahlungsverkehr und zum Zusammenspiel von Banken und Nichtbanken auf den Finanzmärkten. So beleuchteten beispielsweise Vorträge von Olivier de Jonghe (EZB) und Alejandro Casado (Banco d'España) kritisch gängige Ansätze zur Identifikation von Angebots- und Nachfrageschocks auf Kreditmärkten. Das vollständige Programm findet sich unter:
25.03.2026 – 26.03.2026 | Berlin